Nachhaltigkeit in der Pferdezucht               Die Rasse mit dem Spezialauftrag -             der Shagya-Araber

 

Wer träumt nicht vom perfekten Pferd? Schon früher war das nicht anders als heute. Allerdings hing früher häufig die Existenz und

manchmal sogar das Leben ab von der Qualität und Zuverlässigkeit des eingesetzten Pferdes, ganz besonders beim Militär. Deshalb

gibt es heute mit dem Shagya-Araber eine Pferderasse, die gezielt zur Qualitätsverbesserung anderer Rassen entwickelt wurde. Ziel

war es die Zucht nachhaltig zu verbessern, um bei der Qualität der eingesetzten Pferde nicht nicht mehr vom Zufall abhängig zu sein.

 

Qualitätsverbesserung in der Pferdezucht

Mehr oder weniger große Mängel in den Bereichen Gesundheit, Leistung, Charakter oder Optik gab es schon immer, nicht nur bei

einzelenen Pferden, sondern auch bei den verschiedenen Rassen. Deshalb gab es vor über 200 Jahren vom österreichischen

Kaiserhaus einen Spezialauftrag für den Pferdefachmann Jósef Csekonics - die Schaffung einer leistundsstarken Pferderasse fürs

Militär, die vor allem zusätzlich in der Lage sein sollte die Qualität der bereits vorhandenen Rassen im Land nachhaltig zu verbessern.

Das Ergebnis ist der Shagya-Araber, der damit nicht nur eine von wenigen Rassen ist, die gezielt gezüchtet wurden, sondern auch die

einzige weltweit, die speziell zur Qualitätsverbesserung anderer Rassen entstand.

Vorausetzung dazu waren gleich mehrere Neuerungen.

 

Das Zuchtziel

Für dieses außergewöhnliche und aufwändige Vorhaben wurden nicht nur wirtschaftliche Vorbereitungen getroffen, wie der Ankauf

einer geeigneten Gestütsanlage und deren Ausbau (das noch heute bestehende Staatsgestüt Bábolna in Ungarn), sowie der Ankauf

von geeigneten Pferden. Vorher wurde, völlig anders als damals üblich, erst einmal ermittelt, welche Eigenschaften und damit

welches Aussehen eine solche Rasse haben musste, um den gewünschten Erfolg zu gewährleisten.

Das Zuchtziel wurde damit bereits vor dem Ankauf der ersten Pferde festgelegt. Danach suchte man nach Rassen, die dem

gewünschten "Superpferd" möglichst nahe kamen. Man fand sie in Pferden aus den arabischen Ländern, meist Hengsten, die als

Einzeltiere als Staatsgeschenke oder mit Handelsreisenden nach Europa kamen und in Rassen, überwiegend aus Südosteuropa, die

bereits von arabichen Pferden geprägt waren.

 

Ein durchdachtes Zuchkonzept

Eine weitere Grundlage für dieses eigentlich unmöglich erscheinende Vorhaben, war etwas , das es bis dahin in der Pferdezucht auch

noch nicht gab - ein gut durchdachtes Zuchtkonzept. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Pferdezucht und deren Erfolg hauptsächlich

vom Zufall und dem Geschick einzelner Züchter abhängig. Dadurch enstanden in den verschiedenen Gegenden unterschiedliche

Rassen und Schläge, die mehr oder weniger gut an die Gegend und den vorherschenden Einsatz angepasst waren. All diese

unterschiedlichen Rassen sollten in ihrer Qualität verbessert werden - und es wurde ein möglichst leistungsstarkes, gesundes und unkompliziertes Pferd für den Einsatz beim Militär gebraucht, das es so bisher nicht gab. Dazu brauchte man starke Vererber, die die gewünschten Eigenschaften sicher an ihre Nachkommen weitergaben.

 

Der damalige Pferdefachmann Csekonics, der mit dieser Aufgabe betraut wurde, betrachtete die Mutterstuten als Grundlage der

Zucht, auf deren Qualität die Zucht aufgebaut werden musste. Dafür reichte es nicht als Zuchtgrundlage die 2000 besten Stuten

anzuschaffen, die zu bekommen waren und zusätzlich in aufwändigen Expeditionen arabische Hengste und Stuten bester Qualität

nach Europa zu holen. Alle eingesetzten Zuchtpferde, zunächst unterschiedlicher Abstammung, sollten bei bester Qualität neben

Intelligenz, gutem Charakter und Adel über einen harmonischen Körperbau verfügen und eine harte Leistungsprüfung bestanden

haben. Die alten bewährten und geprüften Stuten sollten in der Zucht bleiben und bei Bedarf auch Pausen erhalten oder mit gutem

Futter wieder aufgebaut werden. Dagegen sollten alle anfälligen Stuten und auch solche, die schwächliche Nachzucht brachten,

einschließlich ihrer Nachzucht aus der Zucht genommen werden.

 

Diese zwei Selktionskriterien führten zu einem schnellen Erfolg:

1. Selektion auf Leistung und Qualität: die Pferde sollten Adel, ausreichende Größe, Ausdauer, ein freundliches Wesen,

Leistungsbereitschaft und vor allem Gesundheit vereinen und vor ihrem Zuchteisatz eine umfangreiche Leistungsprüfung bestehen.

2. Sorgfältige Auswahl, Selektion und Bewahrung der Stutenstämme zur Schaffung einer stabilen und wertvollen Zucht.

 

Csekonics war mit seiner Einstellung, dass nur aus durchgezüchteten, zuverlässig und sicher vererbenden Stutenfamilien Hengste mit durchschlagender Vererbung und Spitzenleistungspferde gezogen werden können, in Europa seiner Zeit weit voraus.

Die Hengste wurden nach der absolvierten Eigenleistungsprüfung zunächst in den Landespferdezuchten eingesetzt. Nur die besten

Vererber wurden später wieder in der Shagya-Araberzucht verwendet. Dieses Ausleseverfahren führte zu einer konstanten und

nachhaltigen Verbesserung der neuen "Araberrasse" und dadurch auch der gesamten Landespferdezucht.

 

Nachweis der Abstammung und Reinzucht

Als weitere Grundlage diente die gesicherte Herkunft, also ein Abstammungsnachweis aller Zuchtpferde in den Gestütsbüchern,

ebenfalls eine Neuerung. Auch damit wurde bereits 1785 mit den ersten Pferden ganz am Anfang der Zucht begonnen. Damit sind die Abstammungen aller Shagya-Araber bereits von der 1. Generation an belegt. Das Zuchtbuch wurde bereits nach wenigen

Generationen geschlossen, nachdem die neue Rasse, zunächst als Araberrasse bezeichnet, aufgebaut war. Die Rasse wurde von da an

rein weiter gezüchtet, nur ausgesuchte und leistungsgeprüfte arabische Vollblüter dürfen seitdem weiterhin in begrenzten Anteilen

eingesetzt werden.

 

Das Ergebnis

Das als unmöglich erscheinende Vorhaben gelang. Das Ergebnis ist der heutige Shagya-Araber. Die Rasse verfügt auch heute noch

über die damals begehrten Eigenschaften als gesundes und vielseitiges Leistungspferd mit umgänglichem und freundlichem Wesen.

Und der Shagya-Araber ist auch heute noch in der Lage Gesundheit, Leistung und Qualität anderer Rassen zu verbessern

- wenn man ihn denn einsetzt.

 

Shagya-Araber verstecken sich in der Abstammung von vielen Spitzensportpferden. Was inzwischen vergessen ist - z.B. der

Anglo-Araber Ramses, auf den ein Großteil der heutigen Sportpferdezucht zurückgeht, hat eine Shagya-Araberstute als Mutter, die

sicher deutlich zu seiner Vererbungskraft beigetragen hat. Ein Shagya-Araber, der selbst viel eingestzt wurde und über seine

Nachkommen vor allem die Springpferdezucht beeinflussst hat, ist der Shagya-Araberhengst Bajar. Er hat sein Springtalent absolut durchschlagend an alle Nachkommen vererbt, nicht nur an seine Kinder, sondern auch an Enkel und Urenkel.

 

Spitzenvererber - heute vergessen und unbeachtet !?

Leider ist das alles lange her. Heute traut sich kaum noch jemand die positiven Eigenschaften des Shagya-Arabers, wie Gesundheit,

Charakter und Ausdauer für seine Zucht zu nutzen, weil der Verkaufserfolg häufig von bekannnten Modehengsten in der Abstammung abhängt. Dazu kommt, dass der Shagya-Araber als Leistungsvererber in Vergessenheit geraten ist, weil nie Werbung für die Rasse

gemacht wurde und immer noch viele an kleine hektische Vollblutaraber denken, wenn sie etwas von Arabern hören. Dass der

Shagya-Araber eine ganz eigenständige Rasse ist, ist leider meist unbekannt. Dabei werden inzwischen nur noch sehr wenige

Vollblutaraber in der Shagyazucht eingesetzt, denn diese werden nur noch selten für die anderen arabischen Rassen zur Körung und Leistungsprüfung vorgestellt.

 

Eine Chance für die Zukunft

Wer sich entschließt einen Shagyahengst für seine Zucht zu nutzen, ist nicht unbedingt auf die Zustimmung seines Zuchtverbandes angewiesen. Nachkommen von Shagya-Araberhengsten aus Warmblutstuten werden beim ZSAA (Zuchtverband für Sportpferde

arabischer Abstammung) als "Deutsche Edelblutpferde" eingetragen. Nachkommen von Ponystuten oder Stuten anderer Rassen

werden als "Partbred Spezial" registriert. Hengste aus solchen Anpaarungen können bei entsprechender Qualität zur Körung

vorgestellt werden. Dabei gibt es beim ZSAA keine Altersbegrenzung. Die Hengste können also auch noch später, im Alter von über

3 Jahren, vorgestellt werden. Nur müssen Hengste über 6 Jahre vorher die Leistungsprüfung absolvieren. Es lohnt sich das

Zuchtpotenzial des Shagya-Arabers für seine Zucht zu nutzen, denn auch die Halbblüter werden immer gefragter, da auch sie

ebenfalls über die positiven Eigenschaften der Shagyas verfügen.

 

Auch der Einstieg oder Umstieg in die Shagya-Araberzucht direkt wird immer interessanter, da inzwischen nicht nur die Nachfrage

nach Shagya-Arabern steigt, sondern auch die Erlöse für Nachwuchspferde deutlich anziehen, mit weiter steigender Tendenz und

ganz im Gegensatz zum allgemeien Trend. Zur Zeit lassen sich gerittene Nachwuchspferde normaler Qualität zu Preisen zwischen

12.000 € und 15.000 € verkaufen. Die Sache hat nur einen Haken: es gibt kaum noch welche, da es zur Zeit nur noch wenige aktive

Züchter gibt. Optimale Bedingungen also für Zuchtumsteiger mit den passenden Voraussetzungen - denn auch heute noch träumen

die Reiter vom perfekten Pferd. Durch den Einsatz von Shagya-Araberhengsten können diese Träume wahr werden.

Ingrid Früchtenicht


Ein halber Shagya ist besser als gar keiner

 

Früher wurden arabische Hengste aller Zuchtrichtungen sehr gern und erfolgreich zur Veredlung bei Ponys und Warmblütern eingesetzt. Das Ergebnis waren nicht nur edlere Pferde und Ponys. Vor allem begeisterten diese Arabernachkommen durch ihre inneren Werte – freundlicher Charakter, Gesundheit und vor allem Leistung. Das galt ganz besonders für Nachkommen von Shagya- und Angloarabern, die zusätzlich auch noch Rahmen und Kaliber mitbrachten und gerade für die Qualitätsverbesserung anderer Rassen gezüchtet worden waren. Mit der Zeit kamen diese Anpaarungen allerdings aus der Mode, obwohl viele sehr erfolgreiche Sportpferde daraus hervorgingen.

 

Ein Teufelskreis beginnt

 

 

 

Die Showszene der Vollblutaraber dominiert die Pferdemedien, besonders die Araberzeitschriften und über Shagya- und Angloaraber wurde lange Zeit kaum noch berichtet. Dadurch verschwanden die gerittenen Araber langsam aus den Köpfen der Reiter. Wegen fehlender Werbung gerieten selbst die sportbetonten Angloaraber und auch vielseitigen Shagya-Araber nach und nach in Vergessenheit. Damit sank die Nachfrage nach Sportpferden aus solchen Anpaarungen und in der Folge gingen auch die Preise in den Keller – damit wurde die Zucht für viele Züchter unbezahlbar und die Geburten gingen zunächst bei den Anglo-Arabern, obwohl direkt für den Sport gezüchtet, und später auch bei den Shagyas immer weiter zurück.

 

 

 

Die Folgen der seit Jahren stark sinkenen Geburten werden inzwischen sehr deutlich. Vor 20 Jahren wurden noch ca 200 ShA-Fohlen im Jahr geboren, in den letzten 5 Jahren sind es nur noch 30-40 Fohlen pro Jahr in Deutschland, im Jahr 2019 sogar nur ca 20 Fohlen. Es werden immer weniger Shagyastuten neu eingetragen und natürlich können bei nur ca. 10 bis 20 Hengstfohlen pro Jahrgang nur noch wenige Hengste zur Körung vorgestellt werden. Das hat gravierende Auswirkungen auf die weitere Zucht. Es gibt vor allem einfach immer weniger Stuten im zuchtfähigen Alter. Dazu kommt, dass Stuten, die an Reiter verkauft werden, dann natürlich auch unter dem Sattel gehen und für die Zucht meist nicht mehr zur Verfügung stehen. Zuchtstuten im regelmäßigen Zuchteinsatz gibt es kaum noch und ganze Stutentämme drohen auszusterben.

 

 

Der Ausweg - Werbung

 

Da dank regelmäßiger Artikel in verschiedenen Pferdezeitschriften die Nachfrage endlich wieder steigt, ziehen die Preise für Nachwuchspferde bei den Shagyas jetzt deutlich an. Normale Nachwuchspferde können zu Preisen zwischen 12.000 € und 15.000€ verkauft werden – mit weiter steigender Tendenz. Es besteht deshalb die Hoffnug, dass Stutenbesitzer mit geeigneten Voraussetzungen wieder oder neu in die Zucht einsteigen und nicht nur ein oder zwei Fohlen für den Eigenbedarf, sondern zusätzlich auch Shagyas für den Verkauf züchten. Bei weiter steigender Nachfrage wird aber auch das den Bedarf an Shagyanachwuchspferden in den nächsten Jahren nicht decken können. Bis wieder eine ausreichend große Anzahl an Shagyastuten im Zuchteinsatz ist, wird es noch viele Jahre dauern.

 

 

Einsatz von Shagyahengsten in anderen Rassen zur Qualitätsverbesserung

 

Bis dahin bietet es sich an, wie schon vor noch 20 Jahren, qualitätvolle Warmblut- und Ponystuten von Shagyahengsten decken zu lassen, um Partbred-Shagyas zu bekommen. Dank der Erbkraft des Shagya-Arabers überzeugen auch diese unter anderem durch ein freundliches und umgängliches Wesen, eine hervorragende Gesundheit und nicht zuletzt durch Leistung – man denke nur an die Bajarnachkommen, die allesamt durch hervorragendes Springtalent auffielen, gleichgültig aus welcher Rasse die Mutter stammte. Dass über Angloaraber wie z.B. Ramses(mit einer Shagyamutter) viele der heutigen Sportpferde auch auf Shagya-Araber zurück gehen, weiß heute kaum noch jemand, auch weil die Shagyas in den Abstammungen damals nicht als Shagya-Araber gekennzeichnet wurden. Ein steigender Einfluss von Shagyablut bei Warmblütern und Reitponys könnte deren Temperament, Nervenstärke und vor allem die Gesundheit deutlich verbessern und damit nicht nur die Nerven, sondern durch geringere Kosten für Tierarzt und Schmied auch den Geldbeutel der Partbredbesitzer schonen. Wer in seiner Zucht von der sprichwörtlichen Gesundheit der Shagyas profitieren will, sollte also auf einen Shagya-Araberhengst setzen. Gleichzeitig wird eine Verbesserung in Charakter und in Leistungsbereitschaft erreicht - und das bereits in der 1. Generation.

 

 

 

Shagya-Araber Hengste findet man in den Hengstverteilplänen von VZAP und ZSAA, darunter auch einige mit TG-Einsatz. Die Fohlen aus Müttern anderer Rassen bekommen beim ZSAA volle Papiere als Deutsches Edelblutpferd(aus Warmblutstuten) oder Arabisch Partbred Spezial (aus Ponystuten oder Stuten anderer Rassen) sofern die Stuten volle Papiere haben. Körfähige Hengste aus solchen Anpaarungen können beim ZSAA ohne Altersbegrenzung, also auch noch mit 4 oder 5 Jahren oder später vorgestellt werden. Ab dem 6 Lebensjahr ist hierfür allerdings eine erfolgreiche HLP Vorraussetzung.

 

 

 

Ingrid Früchtenicht